Bochum, 16. Februar 2016. Bevor Hochschulabsolventen ihren Doktor machen, sollten sie die Qualifikationsstandards ihres Wunschberufs prüfen. In bestimmten Fachbereichen drohe sonst Über- oder Fehlqualifikation, sagt Bildungsforscherin Dr. Andrea Diem im bundesweiten Campus-Magazin UNICUM (Ausgabe 01-02/2016). „Sollte der Bildungsdrang extrem stark sein, darf man später nicht erstaunt sein, wenn es auf dem Arbeitsmarkt etwas schwieriger wird.“

Zwar eröffne ein Doktortitel prinzipiell Karrierechancen. Vor allem Geistes- und Sozialwissenschaftlicher sollten aber darauf achten, dass ihr Promotionsprojekt nicht zu praxisfern sei. Habe man den Doktor schon in der Tasche, solle man ihn auch bei schwieriger Jobsuche nicht verschleiern. Laut der Gewerkschaft Verdi passiert genau das regelmäßig: Bewerber auf Einstiegsstellen fürchten, wahlweise als überqualifiziert, übertrieben selbstbewusst oder gehaltsfixiert aussortiert zu werden. Expertin Diem warnt: „Wird der Doktor später sichtbar, ist das Vertrauen zwischen Arbeitgeber und Angestelltem zerstört.“

Stattdessen solle man sachlich darstellen, welche jobtypischen Kompetenzen die Doktorarbeit geschult habe. Auch allgemeine Schlüsselqualifikationen wie strukturiertes Arbeiten und Organisations- und Planungstalent könne ein Promovierter überzeugend für sich beanspruchen.

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